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Essigälchenzucht (2006)



Es gibt im Netz unterschiedlichste Anleitungen zur Essigälchenzucht. Sie scheinen alle zu funktionieren, aber da sie sich teilweise darin widersprechen, was man unbedingt machen sollte und was auf keinen Fall und nicht klar ist, welche nun die beste ist, habe ich mir mal die Mühe gemacht und eine Versuchsreihe durchgeführt. Dabei habe ich die Auswirkungen der Parameter Essigkonzentration, Essigart, Zucker und Hefe nacheinander durchgetestet. Heraus kam das ultimative Rezept für optimale Zuchtbedingungen.

1. Versuch: Essigkonzentration.
Ich habe zwei Flaschen angesetzt, in der einen 250 ml Apfelessig (handelsüblich mit 5% Säure) mit 250 ml Wasser vermischt und in der anderen 150 ml Essig mit 350 ml Wasser. Beiden Flaschen habe ich einen Teelöffel Zucker hinzugefügt und mit der gleichen Menge desselben Zuchtansatzes geimpft. Die Flaschen standen offen in der unbeheizten Küche, alle ein bis zwei Tage habe ich die sich bildende Haut durch kurzes Rühren mit einem Eßstäbchen ;-) durchstoßen. Nach einem Monat konnte ich feststellen, daß sich in der Flasche mit der geringeren Essigkonzentration (150 ml) ganz deutlich mehr Älchen vermehrt hatten als in der mit der Halbe-halbe-Mischung.

2. Versuch: Essigart.
Ich habe wieder zwei Flaschen angesetzt nach der erfolgreicheren Mischung aus dem ersten Versuch, jedoch bei der einen Apfelessig und bei der anderen Branntweinessig verwendet. Nach einem Monat haben sie sich in beiden Flaschen etwa gleich gut vermehrt. Zur Sicherheit habe ich noch einen weiteren Monat abgewartet, aber es war immer noch kein Unterschied erkennen, wenn man mal davon absieht, daß sich im Apfelessig mehr von den (normalen) weißen Flocken am Boden bildeten. Es scheint also egal zu sein, welchen Essig man verwendet, solange er die gleiche Säurekonzentration (5%) hat. Allerdings sind die Älchen im gelblichen Apfelessig etwas besser zu erkennen.

3. Versuch: Zucker.
Erneut habe ich zwei Flaschen angesetzt, wie gehabt mit 150ml Essig und 350ml Wasser, jetzt aber der einen zwei Teelöffel und der anderen nur eine Prise Zucker zugesetzt. Nach zwei Monaten zeigte sich ein deutlicher Unterschied, und zwar genau andersherum, als ich erwartet hatte: In dem Ansatz mit der Prise Zucker hatten sich die Älchen deutlich stärker vermehrt, als in dem mit den zwei Teelöffeln. Ich hatte mir eigentlich gedacht, daß sie sich von Zucker ernähren und daß darum mehr Zucker zu stärkerer Vermehrung führt. Aber anscheinend war die Zuckerkonzentration dann doch zu hoch.

4. Versuch: Hefe.
Jetzt wollte ich herausfinden, ob Hefe – wie es manchmal gesagt wird – irgendeinen Einfluß hat. Also habe ich wieder zwei Flaschen nach dem erfolgreicheren Rezept aus dem 3. Versuch angesetzt und zu der einen eine Prise (Trocken-)Hefe zugefügt. Nach zwei Monaten haben sich die Älchen in beiden Ansätzen etwa gleich stark vermehrt – in dem mit der Hefe jedoch ein klein wenig mehr (wenn man das man mit bloßem Auge überhaupt genau abschätzen kann). Dort war aber auch die Kahmhaut stärker ausgeprägt.



Ergebnis: Das Rezept.

In eine Flasche mit weitem Hals
  • 150ml Essig mit 5% Säure (Sorte egal),
  • 350ml Wasser,
  • 1 Prise Zucker,
  • 1 Prise Trockenhefe und
  • den Zuchtansatz Essigälchen
füllen und bei Zimmertemperatur stehen lassen. Regelmäßig die Wasseroberfläche umrühren.




Ich "ernte" die Älchen übrigens so:
Mit einer mit einem Stück Luftschlauch verlängerter Einwegspritze (von den JBL-Wassertests) sauge ich wiederholt kurz unter der Wasseroberfläche – wo sich die Älchen sammeln – die Flüssigkeit ein und spritze sie in einen Kaffeefilter, den ich auf ein Glas aufsetze. Wenn ich glaube, daß genug Älchen mitgekommen sind und der Essig durchgelaufen ist, gebe ich zum Spülen etwas Wasser in den Filter und wenn auch der abgelaufen ist wasche ich den Filter umgestülpt im Aquarium aus. Allerdings bleiben dabei immer nur die größeren Älchen im Kaffeefilter hängen; die kleinen schüpfen hindurch. Mir macht das nichts, da ich keine Jungfische, sondern sehr kleine Fische damit füttere und die hindurchlaufende Essiglösung fange ich sowieso auf und schütte sie wieder in die Zuchtflasche.





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