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Hacking Bürgersteig Berlin
2013
Film (00:01:47)


Film (00:05:26)




Mit der Kunst selbst bzw. einem gegenwärtigem Kunsttrend beschäftigt sich in ironischer Weise der Film "Hacking Bürgersteig Berlin". Nach einer Wort-für-Wort-Einblendung des Satzes "Intervention im urbanen öffentlichen Raum (in die falsche Richtung gefilmt)" zeigt er eine fast zweiminütige Straßenszene, auf der nichts anderes zu sehen ist als passierende Fußgänger, vorbeifahrende Autos und Fahrradfahrer und ein kurz anhaltender Linienbus.
Der Film ist eine Anspielung auf die sog. Streetart, die sich selbst gern mit den Vokabeln "Intervention", "Hacking", "Urbanität" und "im öffentlichen Raum" beschreibt und preist. Teil ihrer Selbstdarstellung ist dabei oft das Filmen der Anfertigung der Streetart-Werke in der Öffentlichkeit und die anschließende Verbreitung der Videos im Internet – obwohl sie ihrem Selbstverständnis nach ja in der nichtmedialen Öffentlichkeit ihren eigentlichen Präsentationsort haben will und auch nur dort als Kunst ihre beabsichtigte Wirkung, nämlich zu "intervenieren", entfalten soll. Die filmische Dokumentation und Verbreitung, die damit fast zum eigentlichen Kunstwerk wird, wird in diesem Film karikiert und verspottet, indem er eben in der "falschen Richtung" aufgenommen wurde. Anstatt auf eine Häuserwand, an denen üblicherweise Streetart plaziert wird, wurde die Kamera auf die gegenüberliegende Straßenseite gerichtet und so kann nichts von dem gezeigt werden, was gezeigt werden sollte. Das ist einerseits ein Scheitern der Dokumentation, andererseits wird die Streetart damit wieder auf ihre eigentliche Substanz zurückgestutzt.



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