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Nur Kunst, die man sieht, ist Kunst
2011
Acryl auf Malkarton, Bilderrahmen
Installation an verschiedenen Orten, Sommer 2011



Die Arbeit "Nur Kunst, die man sieht, ist Kunst" spielt mit der Frage nach der Konstruktion von Kunst durch den Betrachter. Ein gerahmtes Bild, das den Satz des Titels dieser Arbeit aufgemalt zeigt, wurde an verschiedenen Orten positioniert, die alle räumlich schwer zugänglich sind. Es ist also unwahrscheinlich, daß das Bild dort von jemandem gesehen wird. Bezieht man nun die Aussage dieses Satzes auf seine materielle Darstellung, entsteht ein Paradox: Der goldene Rahmen weist darauf hin, daß diese Darstellung selbst als ein Kunstwerk zu betrachten ist, doch soll sie es nur sein, wenn sie von jemandem gesehen wird, da es immer jemanden braucht, der diese Bezeichnung vornimmt. Befindet sie sich an Orten, an denen sie schwerlich gesehen werden kann – so wie auf den Fotos abgebildet – so ist sie, der Aussage des Satzes zufolge, auch nur schwerlich Kunst. Dennoch existieren ja diese Fotos, die eine Darstellung des örtlichen Befindens der Darstellung des Satzes sind. Darum gibt es nun doch wieder einen Betrachter, nämlich den Betrachter der Fotos, woraus folgt, daß es sich doch um Kunst handelt. Aber aufgrund der Betrachtung dieser Fotos entsteht in ihm die Vorstellung einer Situation, in der das Bild mit dem aufgemalten Satz von niemandem gesehen wird, derzufolge es sich wiederum nicht um Kunst handelt.

Dieses Paradox lässt sich nur auflösen, wenn zwischen zwei Kunstwerken unterschieden wird, nämlich zwischen der Darstellung des Satzes (das eingerahmte Bild) und der Darstellung der Darstellung des Satzes (die Fotos). Beide können gesehen werden oder nicht und darum Kunst sein oder nicht, und sind in dieser Hinsicht voneinander unabhängig.



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