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Stapeljesus
2010
Kruzifixe, Nähnadeln








Stapeljesus 2 (in Privatbesitz)
2015
Kruzifixe, Nähnadeln




Bei dem skulpturalen Objekt "Stapeljesus" wäre es zu kurz gegriffen, nur eine Kritik an der maschinell-industriellen Reproduktion von religiösen Devotionalien zu vermuten, da dies auch durch mehrere nebeneinander hängende Kruzifixe darstellbar gewesen wäre. Hier sind aber drei gekreuzigte Jesusfiguren auf einem einzigen Kreuz arrangiert bzw. "gestapelt", d. h. es handelt sich um einen dreifachen Jesus und nicht um drei Jesusdarstellungen. Das widerspricht nicht nur der normalen Erwartung, da ikonographisch zu einem Kreuz natürlich immer nur eine Jesusfigur gehört, sondern läßt aus der Verdreifachung auch einen blasphemischen Effekt erwachsen: Denn übereinandergeschichtet und nicht nebeneinander wird skulptural die Nichteinzigartigkeit von Jesus übermittelt. Diese Arbeit behauptet somit: Jesus gibt es mehrmals, und zwar so exakt gleich, daß man ihn am besten übereinander stapelt. Das von einem gläubigen Christen dann wahrscheinlich als blasphemisch empfundene Moment dieser Arbeit ist also nicht etwa die Ironisierung des Kruzifix' als Gegenstand religiösen Handelns, sondern die enthaltende Uneinzigartigkeitsbehauptung, denn daß es Jesus nur einmal gegeben hat und nur einmal geben kann, ist die nie thematisierte implizite Grundvoraussetzung der christlichen Religion. Darauf hinzuweisen ist der Inhalt dieser Arbeit.


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