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Antihaftbeschichtete Pfannen



Ja natürlich, sie sind praktisch. Eine tolle Erfindung, die wir (angeblich) der Raumfahrt verdanken. Nichts brennt mehr an, und falls doch mal etwas anbrennt, brennt es nicht an der Pfanne an. Die Praktischheit zählt. Was aber nicht zu zählen scheint, ist die Ästhetik.

Allein schon der Anblick, wenn man zum Braten Öl in die Pfanne gibt: Diese dann entstehenden Ölpfützen auf der Antihaftbeschichtung, auf der sich das Öl gar nicht richtig verteilen kann. Es perlt ab, anstatt sich auf dem Pfannenboden zu verteilen und bildet kleine Pfützen mit runden, wulstigen Rändern. Es sieht aus, als wäre es hier fehl am Platze, als solle es abperlen, so wie Wasser vom gut gewachsten Autolack abperlen soll. Überhaupt, Lebensmittel auf einer Kunststoffbeschichtung zu erhitzen muß – selbst wenn tausendmal versichert wird, daß diese auch unter vulkangemäßen Temperaturen nicht schmelze und nicht ein einziges Molekül an seine Umgebung abgebe – einem jeden wirklichen Feinschmecker, der seinen Geschmackssinn nicht von seinem übrigen Empfinden abgekoppelt hat, ein Graus sein. (Gleiches gilt, nebenbei bemerkt, auch für die ebenfalls überaus praktischen Silikonbackformen.) Braten in antihaftbeschichteten Pfannen ist wie Braten auf Plastik, wie Braten auf einem gut gewachsten Auto. Guten Appetit.

Außerdem: Da man ja normalerweise in Öl oder anderem Fett brät, damit das Bratgut nicht anbrennt, frage ich mich, warum man in eine antihaftbeschichtete Pfanne überhaupt noch Öl hineingibt, denn es kann ja gar nichts mehr anbrennen. Vielleicht soll es als Geschmacksträger für die brühmten dann entstehenden "Röstaromen" dienen – aber diese entstehen ja auch, wenn man kein Fett verwendet, man denke nur an das Rösten von Kernen, Nüssen u. ä. Darüberhinaus ist es dadurch, daß sich das Fett nicht gleichmäßig verteilen kann, meist auch nicht möglich, das Bratgut wirklich in das Fett zu legen und nicht auch halb daneben. Man hat dann halb angefettetes Bratgut, das an einer Stelle schön im Öl brät, an anderer Stelle aber direkt auf der Beschichtung röstet. Ist das nun praktisch?

Ich habe keine Ahnung, warum man derartige Pfannen benutzen sollte. Ich möchte auch kein Spiegelei essen, das nicht darum nicht zerfließt, weil das Ei frisch war, sondern weil es von den eigenen Flüssigkeits-Adhäsionskräften zusammengehalten wird, so wie Flüssigkeit in der Schwerelosigkeit oder eben Wasser auf dem Autolack. Und ist es wirklich so praktisch, wenn es bei der kleinsten Bewegung in der Pfanne hin und her flutscht, als wolle es dort nicht sein, als gehöre es dort nicht hin?

Antihaftbeschichtete Pfannen machen das Braten und Schmoren in ihnen zu einer ästhetisch und sinnlich unappetitlichen Angelegenheit und sind für jemanden, der mit auch nur etwas Gefühl für Hitze und Lebensmittel zu kochen versteht – der also seinen Verstand und seine Sinne benutzt – überflüssig.




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