Latent.de       Start | Bilder | Musik | Worte | Lyrik | Kunst | Wissenschaft | Tand | Kommentar




Popsonginterpretation:

The Beatles: Ob-La-Di, Ob-La-Da (White Album)




Desmond has a barrow in the market place
Molly is the singer in a band
Desmond says to Molly – girl I like your face
And Molly says this as she takes him by the hand

    Ob-la-di ob-la-da life goes on bra
    Lala how the life goes on
    Ob-la-di ob-la-da life goes on bra
    Lala how the life goes on

Desmond takes a trolley to the jewellers stores
Buys a twenty carat golden ring
Takes it back to Molly waiting at the door
And as he gives it to her she begins to sing

    (Refrain)

In a couple of years they have built
a home sweet home
With a couple of kids running in the yard
of Desmond and Molly Jones

Happy ever after in the market place
Desmond lets the children lend a hand
Molly stays at home and does her pretty face
And in the evening she still sings it with the band

    (Refrain)

(Wiederholung 2. Strophe)

(Wiederholung 3. Strophe)

    (Refrain)

And if you want some fun
take ob-la-di-bla-da



Er hat einen Marktstand, sie singt in einer Band ("in a band": in einer Band – nicht in dieser oder jener bestimmten, sondern in einer – irgendeiner – Band). Dann kommen sie zusammen. Und wie? Etwa, indem sie sich ihre Liebe gestehen und so das quälende Sehnen endlich auflösen, das beide schon seit langer Zeit innerlich zerrissen hat? Nein, er sagt ihr, daß er ihr hübsches Gesicht mag und sie nimmt daraufhin seine Hand und singt: "Ob-la-di, ob-la-da, life goes on": Scha-la-la, das Leben geht weiter, so ist das eben, ja, es ist doch schön wie es ist, was will man mehr.

Nicht viel anders läuft ihre Verlobung ab. Er fährt mit der Straßenbahn zum Juwelier, kauft einen goldenen Ring und gibt ihn ihr, die schon an der Tür wartet. Und wieder singt sie: So ist das Leben eben.

Natürlich haben sie sich ein paar Jahre später ein Häuschen ("home sweet home" – der Cliché-Spruch, den man von Küchenstickbildern kennt) und ein paar Kinder angeschafft.Scha-la-la, so läuft das Leben weiter, wie sollte es auch anders sein, was sollte man auch anderes machen im Leben, und warum sollte man auf die Idee kommen, daß es nicht so gehen muß, denn es ist ja gut so.

Eine glückliche Familie ("happy ever after" – in Anspielung auf die Happy-end-Formulierung aus den Märchen (eigentlich: "and they lived happily ever after") – und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute). Die Kinder helfen dem Vater bei der Arbeit, sie ist zuhause, schminkt sich und tritt am Abend mit ihrer Band auf, wo sie singt: "Ob-la-di, ob-la-da". Was könnte sie auch anderes singen als: Jaja, trallala.

 
Dieser Song ist ein Lied über normales Leben, das nicht mehr will als normal leben. Desmond und Molly sind Normalos, Stinknormalos. Sie sind glücklich, und ihr Glück ist einfach, vielleicht so einfach wie sie selber. Hier wird der Horror des Bohème treffend beschrieben, das Normalsein, die Zufriedenheit damit, wie die Dinge halt sind und die Abwesenheit von Zweifel und erst recht von Selbstzweifel. Und diese ganze Haltung und Lebensweise ist in nur zwei Zeilen des Refrains eingefangen: "Ob-la-di ob-la-da life goes on bra / Lala how the life goes on".

Doch was haben die allerletzten Zeilen zu bedeuten ("And if you want some fun / take ob-la-di-bla-da")? Sie sind ein Hinweis auf den Anti-Spießer, der zwar lästert ("Dumm sein< und Arbeit haben – das ist Glück"), aber insgeheim auch neidisch ist – nicht nur neidisch auf das Glück, sondern auch neidisch auf die Einfalt, die die Voraussetzung für das einfache Glückserleben ist. Aber weil er gleichzeitig nichts mehr verachtet als eben diese Einfalt, muß er unter diesem unauflösbaren Konflikt leiden. Und dies wissend, verhöhnt ihn der Sänger dieses Songs am Ende, indem er ihm sagt: "Wenn du Spaß (am Leben haben) willst, nimm/sei doch einfach Scha-la-la!"



[zurück]