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Die Tragik der christlichen Lehre

(2007)


Bekannt ist, daß die Jünger Jesu nach dessen Hinrichtung vor dem Problem standen, wie sie diesem ziemlich profanen Ende ihres, sagen wir mal: Propheten irgendwie einen Sinn geben könnten. Ihre Lösung bestand darin, daß sie dessen Tod der damals verbreiteten antiken Opfer-Logik folgend dahingehend interpretierten, daß sie behaupteten, Gott habe Jesus - seinen Sohn - für die Sünden der Menschen stellvertretend mit dem Tode bestraft. Dummerweise widersprach dies nun leider Jesus' eigener Lehre, nach der Vergebung wichtiger ist als Vergeltung und Liebe die Kraft ist, die allen Haß und alles Böse überwinden kann. Damit hatten sie sich nun ein neues Problem geschaffen, das sie mit einer weiteren Interpretation zu lösen versuchten: Gott habe Jesus geopfert und leiden lassen, weil er die Menschen geliebt hat.

Ähnliches hört man von Eltern, die sagen, daß sie ihre Kinder schlagen, eben weil sie sie lieben. Doch das sind nur die Rationalisierungen von Sadisten.

Sadisten sind Menschen, die zur Liebe unfähig sind, die nicht lieben können und keine Liebe empfangen können und die es nicht ertragen können, geliebt zu werden, aber gleichzeitig darunter leiden. Deren einzige Möglichkeit, mit Menschen emotional in Verbindung zu treten, ist, in ihnen Leiden zu verursachen, damit im Leiden der gequälte Mensch ihnen gleicher wird und sie sich ihm näher fühlen können.

Der christliche Gott erscheint nun als ein zur Liebe unfähiger Gott - denn er kennt nur Gebote, Sünde und Vergeltung -, der einen Sohn hat, der immer von Liebe spricht und Liebe extrem lebt. So viel Liebe kann der liebesunfähige Gott nicht ertragen und darum läßt er ihn foltern und töten, um ihm auf diese Weise nahe zu sein. Als er sieht, daß er das zerstört hat, was er zu lieben nicht fähig war, und daß das Leiden seines Sohnes ihn ihm nicht nähergebracht hat, rationalisiert er dies als einen Akt der Liebe – denn er weiß ja nicht, was Liebe ist.

Das ist die eigentliche Tragik der christlichen Lehre: Durch die Not-Interpretationen der ersten Christen wird der christliche Gott zu einem zur Liebe unfähigen Sadisten, der seinen Sadismus als Liebe rationalisiert.



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