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Andrzej Zaniewski: Die Ratte

(2008)


Dieser Roman über ein Rattenleben leistet mit das großartigste, was ein Roman leisten kann: Er positioniert einen moralischen Konflikt direkt im Leser, einen Konflikt zwischen ihm selbst und ihm selbst. Und wie? Ganz einfach, indem Zaniewski dermaßen plastisch aus der Ich-Perspektive einer Ratte erzählt, daß man sich beim Lesen zwangsläufig unglaublich stark mit dieser erzählenden Ratte identifiziert. Gleichzeitig verhält sich die Ratte aber eben wie eine Ratte. Und da sich Menschen normalerweise nicht wie Ratten benehmen, macht der in die Ratte hineinversetzte Leser Dinge, die seiner grundlegenden (menschlichen) Ethik ziemlich widersprechen. Und mit diesen Widerspruch wird er dann allein gelassen. Und das heißt: Man erfährt nicht nur viel über ein Rattenleben, man erfährt auch viel über sich selber.



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