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Der Dummheitsdetektionsmechanismus

(2014)


Normalerweise haben normale Menschen einen Dummheitsdetektionsmechanismus, der, abhängig von der eigenen Dummheit, mehr oder wenig empfindlich geeicht ist. Er ermöglicht, jene Menschen, die dümmer sind als man selbst (oder die man dafür hält), auch als solche zu erkennen. Nur leider wird bei Männern dieser Mechanismus durch erhöhte Sexualhormonausschüttung im Blut wenn nicht abgeschaltet, so doch in seiner Wirksamkeit deutlich herabgesetzt. Das führt bei ihnen dann dazu, daß sie sich bei der Wahl ihrer Sexualpartnerin, bei Anbahnungsversuchen oder auch nur bei jeglicher anderer Interaktion mit auch nur im entferntesten möglichen Partnerinnen mit ihnen auf die jeweilige Weise interagieren, obwohl sie dies bei funktionierendem Dummheitsdetektionsmechanismus nicht getan hätten.

Sinkt der Hormonlevel dann wieder (z. B. weil das, sagen wir mal, Balzverhalten nicht zum erwünschten Erfolg führte, die erhoffte Anerkennung ihres Mannseins in der nicht auf ein bestimmtes Ziel gerichteten Interaktion ausbleibt oder die dann eingegangene Beziehung in ihrer Faszination verblaßt), kommt der Mechanismus wieder zum Tragen und derjenige bemerkt, daß er sich mit einem Menschen eingelassen hat, auf den er sich normalerweise nicht eingelassen hätte. So kommt es zu einer Art kognitiven Dissonanz, da man(n) einerseits total irrational gehandelt und sich mit einem für einen so dumm erscheinenden Menschen eingelassen hat und andererseits selber viel zu dumm war, das rechtzeitig zu erkennen.

Doch anstatt sich einzugestehen, daß dies der hormonell bedingten Ausschaltung des Dummheitsdetektionsmechanismus geschuldet ist, wird die Dissonanz aufzulösen versucht, indem vor sich selbst und anderen mittels pauschalisierenden Macho-Sprüchen Ex-post-Rationalisierungen vorgenommen werden, wie z. B. daß schöne Frauen eben dumm seien oder Dumme gut f***ten, womit man(n) dann selbst viel besser dasteht, seinem Handeln nachträglich andere Beweggründe zuordnet und womöglich auch der Anderen die "Schuld" für das Geschehen gibt.

Dieser Mechanismus wird bei Frauen wohl nicht anders als bei Männern sein, auch sie werden darüber überrascht sein, sich auf aus ihrer Sicht dumme Männer eingelassen zu haben. Allerdings gibt es für sie viel weniger die Möglichkeit, in Einklang mit unter Geschlechtgenossinnen goutierten Handlungsweisen sich mit überkommenen, aber nichtsdestoweniger auf sie immer noch referenzierbaren Geschlechterklischees herauszurationalisieren.



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