Latent.de       Start | Bilder | Musik | Worte | Lyrik | Kunst | Wissenschaft | Tand | Kommentar




Elvis' Tolle

(2016)


Elvis hatte eine Tolle. Seine Tolle war hochgeföhnt und aufgetürmt, entsprechend der Mode der 50er. Aber auch später, in den 70ern, trug er natürlich Tolle - wenn auch länger und flankiert von dicken Koteletten.

Das Bemerkenswerte an ihr war aber nicht etwa, daß sie dieser Frisur ihren Namen ga (Elvis-Tolle), sondern, daß sie mit der Zeit in sich zusammenfiel, die Haare wieder herunterkamen und mehr oder weniger hingen. Besondes gut läßt sich das in den Filmen von den Las-Vegas-Shows beobachten: Gegen Ende des Konzerts hängt, was zu Beginn stand.

Nun könnte man denken: Wie blöd, das sieht doch nun nicht wirklich nicht gut aus, die Frisur ist dahin, das war ja wohl nicht der Sinn der Sache. Denn wäre es nicht ein leichtes gewesen, die Haare mit Haarspray o. ä. zu fixieren, so daß sie oben bleiben, so wie es alle tun, die diese Frisur heute noch tragen?

Nein, die Tolle mußte heruntersacken, mußte im Verlauf des Auftritts in sich zusammenfallen, darin besteht ihr eigentlicher Sinn, da sie einen Zustand symbolisiert, der auf eine vergangene Anstrengung verweist, so als wäre sie unter der ganzen bisher investierten Energie zusammengefallen. Sie zeigt den Grad der Verausgabung und Erschöpfung an und bezeugt damit die Authentizität des Auftritts und den vollen Einsatz für diese Performance.

Und darin besteht ihre ganze Coolheit. Eine adrette Elvis-Tolle mag cool sein, doch cooler ist eine herabgesackte Elvis-Tolle.



[zurück]