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Die Form des Todes

(2010)


Irgendwann in den 60er Jahren muß man sich gesagt haben: "So kann das nicht weitergehen. Wir bauen moderne Häuser, kaufen uns moderne Möbel, tragen moderne Kleidung, fahren moderne Autos - nur unsere Grabsteine sehen immer noch so aus wie zu Kaisers Zeiten." Also fing man an, moderne Grabsteine zu metzen, die zu der Zeit auch sehr modern aussahen.

Leider hat man in den 70ern, 80ern, 90ern und 00ern aber nicht mehr daran gedacht, moderne Grabsteine zu schaffen und wohl darum haben die meisten Grabsteine auch heute noch diese häßliche und alles andere als moderne Rhombenform. Wahrscheinlich nimmt niemand mehr dieses Design als 60er-Jahre-Design wahr, sondern nur noch als normales Grabstein-Design: Grabsteine sehen so aus, müssen so aussehen.

So hat eine Formgebung der 60er Jahre ihre eigene Modernität überlebt und sich als Grabsteinform schlechthin etabliert. Man könnte auch sagen: Sie ist zur Form des Todes geworden.



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