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Fotografieren III

(2009)


Eine seltsame Ästhetik ist unter Hobbyfotografen Mode geworden, seit ein jeder glaubt, mit Bildbearbeitungsprogrammen seine Fotos noch "verbessern" zu müssen: Das übertriebene Schärfen und Hochdrehen von Kontrast und Farbsättigung bis das Foto nur noch knallig und vollkommen irreal aussieht. In dem naiven Glauben, ein Foto werde beeindruckender, wenn es agressiver ins Auge springt und nach dem Motto: mehr ist besser, überschreiten sie die Grenze der gesellschaftlich konsenten Ästhetik "Foto"*, erreichen jedoch auch nicht die der "Verfremdung" und bewegen sich so, ohne daß sie es bemerken, in Richtung Kitsch.

Das kommt eben dabei heraus, wenn durch die (an sich begrüßenswerte) "Demokratisierung" von professionellen Werkzeugen ein jeder glaubt, ein Fachmann zu sein. Es ist aber nicht damit getan, Werkzeuge benutzen zu können, man muß auch wissen, wann es sinnvoll ist, sie wie und in welchem Maße anzuwenden. Handwerkliches Können beinhaltet eben viel mehr als nur Handwerken-Können.




* Mit "gesellschaftlich konsenter Ästhetik 'Foto'" meine ich: Die ästhetischen Kriterien, die eine Abbildung als eine Fotografie und eben nicht als Zeichnung, Gemälde, Videostill oder schematische Grafik erkennen lassen, wobei sich die Menschen in einer Gesellschaft über diese Kriterien (unausgesprochen) einig sind.



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