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Fotografieren IV

(2010)


Der Trend und das Streben von Hobbyfotografen zu möglichst perfekt ausgeleuchteten Fotos, so daß sie aussehen, als wären sie Werbefotografien, zeigt eines:

Ihr ästhetisches Empfinden selbst wurde durch zu viel Werbekonsum beeinflußt, und zwar so weit, daß sie denken, dieser Stil, diese Art der Foto-Inszenierung wäre grundsätzlich schön und das Ergebnis wäre dann automatisch eine gute Fotografie. Sie sind gar nicht zu einer eigenen Ästhetik oder zur Entwicklung einer solchen fähig. Sie können nicht den ästhetischen Common Sense transzendieren und ihr eigenes Empfinden dagegenstellen. Stattdessen ist ihr eigenes Empfinden nur ein Abklatsch der medial vermittelten Ästhetik. Kurz: Sie sind nicht zu Kunst oder zu künstlerischem Ausdruck fähig, sondern nur zur Reproduktion innerhalb der Masse der vorherrschenden Stile. (Die selber durchaus vielfältig sein können, doch die Auswahl eines dieser Stile wird dann meist für den eigenen Stil gehalten und absurderweise als Zeichen von Individualität gewertet.)

Werbung ist keine Kunst und Werbeästhetik ist kein künstlerischer Ausdruck. (Was man schon daran sieht, daß Werbeästhetik Mittel zum Zweck, und Kunst, ihrem Anspruch nach, Selbstzweck ist.)



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