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Wie man Google immer voraus ist

(2010)


Schon seit vielen Jahren lassen sich Unmengen (meist selbsternannter) Suchmaschinenoptimierungs-Experten ihre Dienste teuer bezahlen, die nur den einen Sinn haben: Daß eine bestimmte Website in Hinblick auf bestimmte Suchbegriffe möglichst gut mit Google gefunden wird.

Augurenhaft und ausgestattet mit scheinbar exklusivem Geheimwissen um die Mechanismen, anhand derer Google seine Sucherebnisse sortiert, arbeiten sie daran, die Website so zu gestalten, daß sie "möglichst weit oben" in den Suchergebnissen erscheint, das heißt am besten unter den ersten in der Ergebnisliste, zumindest aber auf der ersten Seite (davon ausgehend, daß sich angeblich kaum jemand die Mühe macht, über die erste Seite der Suchergebnisse hinaus zu blättern). Dabei gleicht das Ganze einem Wettrennen zwischen den Suchmaschinenoptimierern und Google selbst, das immer mal wieder die zugrundeliegende Systematik, mit der es die verschiedenen Suchergebnisse einer Suche bewertet und schließlich der daraus resultierenden angenommenen Wichtigkeit nach ordnet, ändert, um die - wie auch immer zu messende - Richtigkeit und Relevanz dieser Suchergebnisse in Bezug auf die Suche zu optimieren. Suchmaschinenoptimierer versuchen also (u. a.) zu erreichen, daß die von ihnen optimierte Seite in den Ergebnissen von Suchanfragen möglichst weit vorne auftaucht, wo sie normalerweise entweder nicht erscheint - weil sie von Google als nicht passend betrachtet wird - oder nur ganz weit hinten - weil es andere, als für die Suchanfrage wichtiger beurteilte, Seiten gibt.

Doch es gibt eine Methode der Suchmaschinenoptimierung, die so optimal ist, daß man sich alle teuren Suchmaschinenoptimierungsberater sparen kann. Auf sie könnte eigentlich jeder kommen, der sich nur einmal die Frage gestellt hat, was das Ziel von Google selbst ist, anstatt nur über seine eigenen Ziele nachzudenken:

Das Ziel von Google ist klar: Google will die Qualität seiner Suche stetig verbessern. Und worin besteht diese Qualiät? Darin, daß der Sucher findet, was er sucht und nicht jene findet, die gefunden werden wollen, egal ob sie gesucht wurden oder nicht. Auf Deutsch heißt das: Googles Suche wird stetig dahingehend verbessert, daß die Optimierungsversuche der Suchmaschinenoptimierer erkannt und die von ihnen "optimierten" Seiten darum als nicht wichtig für die jeweilige Suche betrachtet werden. Darum das ewige Wettrennen zwischen Google und den Optimieren. Ein Wettrennen, das natürlich niemals zu gewinnen ist.

Die optimale Methode besteht nun darin, sich gar nicht erst auf dieses Wettrennen einzulassen und genau damit Google immer und dauerhaft voraus zu sein, daß man sich einfach nicht um Google kümmert. (Was natürlich nur dann anzuraten ist, wenn eine langfristige Sichtbarkeit und ein langfristiges Wichtigsein angestrebt wird und nicht nur eine vorübergehende oder - etwa aus ökonomischen Gründen - sofortige.) Man kann sich nämlich den ganzen Optimierungsaufwand schenken, wenn man sich einfach nicht darum schert, wie Google was bewertet, sondern mit seiner Website nur macht, was man machen will und das heißt: Sie so gestaltet, daß sie für den menschlichen Nutzer Sinn ergibt. Denn Google versucht ja nur, das, was ein Mensch als passendes und richtiges Ergebnisse seiner Suche betrachten würde, auch als solches zu erkennen, d. h. Google versucht, die menschliche Bewertungsfähigkeit mit dessen Kriterien und dessen Verstehen und Interpretieren möglichst genau nachzuahmen und abzubilden. Kurz: Google will den menschlichen Fähigkeiten der Beurteilung von Seiten als für die jeweilige Suchanfrage hilfreich oder nicht hilfreich möglichst nahekommen. Und Menschen lassen sich meist nicht von Optimierungsversuchen, die eine Relevanz für ein bestimmtes Thema vorgaukeln, täuschen.

Wenn man einfach das macht, was man mit seiner Website machen will und sich um den Rest nicht kümmert, ist man immer schon da, wo Google erst versucht hinzukommen. Radikaler formuliert: Warum Google anlocken, Google will mich sowieso finden. Und wenn mich Google heute noch nicht findet, dann ist das das Problem von Google und nicht von mir - und Google weiß das und versucht es zu lösen.

Wer was über Angelsport erzählen will und von Leuten gefunden werden will, die etwas über Angelsport erfahren wollen, der muß nichts anderes tun, als etwas über Angelsport erzählen. Wer Kartoffeln verkaufen will und von Leuten gefunden werden will, die Kartoffeln kaufen wollen, der muß nichts anderes tun, als Kartoffeln verkaufen. Und wenn ein anderer Angler oder ein anderer Kartoffelverkäufer mehr, Sinnvolleres, Relevanteres und Klügeres zu erzählen oder mehr, billigere oder bessere Kartoffeln zu verkaufen hat, dann ist er auch relevanter und wird über kurz oder lang bei den passenden Suchanfragen in der Ergebnisliste weiter vorne stehen.



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