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Kunst im Alltag?

(2012)


Gern wird gefordert, die Kunst müsse heraus aus den Museen und hinein in den Alltag der Menschen. Als Fortführung des Beuys'schen Mottos, daß jeder ein Künstler sei, wird die Interventionskunst als zeitgemäße, unverstaubte, und die Menschen in ihrem Alltag auch tangierende Kunstform gelobt.

Zu fordern, daß Kunst aus den Museen raus und rein in das öffentliche Leben und dort wirken, irritieren etc. solle, ist insofern naiv, als daß etwas auch im öffentlichen Raum nur dann Kunst ist, wenn es zumindest als solche erkannt, wenn nicht sogar bezeichnet wird. Ein sich komisch durch die Stadt (oder den, wie es immer so gestelzt heißt, "urbanen öffentlichen Raum") bewegender Mensch wird solange als Sonderling identifiziert werden, bis es Anlässe gibt, ihn als performierenden Künstler zu erkennen. Irgendwer, zumindest der Künstler selbst, muß eine Bezeichnung oder Benennung als Kunst vornehmen, sonst ist es keine. Auch das Museum übernimmt nur diesen Vorgang, mehr nicht. Wenn nicht, dann ist er nur ein sich komisch durch die Stadt bewegender Mensch, dann handelt es sich eben nicht um Kunst, selbst wenn er irritiert, so wie sogenannte Interventionen irritieren. Die Irritation macht den Auftritt aber nicht zur Kunst.



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