Latent.de       Start | Bilder | Musik | Worte | Lyrik | Kunst | Wissenschaft | Tand | Kommentar




Luzider Traum

(2014)


Ich habe letzte Nacht geträumt, daß ich in einer mir gut bekannten, aber in Wirklichkeit schon nicht mehr existierenden Wohnung war. Ich guckte mich um und bemerkte, daß ein paar Möbel falsch standen und zwei Einrichtungsgegenstände physisch am selben Platz standen. So dachte ich im Traum bei mir: Ich muß gerade träumen, denn erstens gibt es diese Wohnung nicht mehr und zweitens ist sie falsch eingerichtet. Und wenn ich gerade träume, könnte ich jetzt doch auch mal fliegen. Also fing ich an zu schweben, der vor mir stehende Couchtisch gleich mit, mit dem ich dann, ich weiß nicht warum, ein paar mir unliebsame Menschen attakierte. Dann wachte ich auf.

Man nennt das einen luziden Traum. Allerdings frage ich mich, wer dieses Ich war, das da erkannte, daß es nur träumte, denn ich träumte ja dieses Ich. Das bedeutet, daß nicht ich erkannte, daß ich träumte, sondern das geträumte Ich erkannte, daß es, das geträumte Ich, träumte – denn es erkannte zwar, daß es träumte, konnte aber nicht erkennen, daß es ein geträumtes Ich war und schon gar nicht, daß ich es war, der dieses Ich träumte. Denn ich träumte, und wenn ich träume, träume ich und bin nicht wach und darum ist alles, was ich während des Träumens erlebe, nur ein Traum – wozu auch jegliche Erkenntnis gehört. Ich habe also nicht erkannt, daß ich träume, sondern ich habe geträumt, daß ich erkenne, daß ich träume und daß ich diesen Traum beeinflussen kann.

Oder kurz gesagt und auf die wohlbekannte Formel des wohlbekannten Herren gebracht: Ein Beobachter kann nicht beobachten, daß er beobachtet.



[zurück]