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Nicht mehr verlaufen

(2010)


Man kann sich nicht mehr verlaufen. Smart- und iPhones mit Karten- und Ortungsfunktion machen es möglich, jederzeit den eigenen Aufenthaltsort festzustellen und sich in der Umgebung, in der Welt, zu verorten. Und durch die permanente Erreichbarkeit von einem selbst und von anderen durch einen selbst ist man auch niemals verlassen. So wird der Mensch zu einem ständig und absolut aufgehobenen, dem die Notwendigkeit, sich selbst orten und verorten zu müssen, fremd ist. Damit erlangt er in ganz konkretem Sinne das wieder, was er loswerden zu können erst mühsam erkämpft hatte: Das Aufgehoben- und Verortetsein in einem (durch Gott) vorgegebenen Koordinatensystem. Er kann sich nicht mehr verlaufen und kann nicht mehr verloren sein, er kann nicht mehr von allen guten oder weniger guten Geistern verlassen und auf sich selbst zurückgeworfen sein. Welche soziopsychischen Folgen dies haben wird, bleibt abzuwarten.



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