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Potentialität III

(2010)


Die Menschen teilen sich auf in die einen, die nichts dabei finden, sich mit Toilettenpapier die Nase zu putzen, und die anderen, die das niemals tun würden.

Die einen denken: Toilettenpapier besteht, genau wie Papiertaschentücher oder Küchenpapier, doch nur aus Zellstoff – warum sollte man es also nicht auch dafür benutzen, wofür man Taschentücher benutzt, wenn gerade mal keine zur Hand sind? Die anderen denken: Ich kann mir doch nicht mit etwas die Nase putzen, mit dem man sich sonst den Hintern abwischt!

Die einen betrachten das Toilettenpapier nur als einen Gegenstand, die anderen sehen in ihm auch seine potentielle Verwendung, seinen Verwendungszweck mit, der sich in ihren Augen dem Gegenstand selbst angehaftet hat. Dieser intendierte Gebrauch – der ja nur ein potentieller und kein mit Sicherheit in der Zukunft erfolgender ist – wirkt somit aus seiner Potentialität heraus in den gegenwärtigen Gebrauchsakt des Toilettenpapiers hinein und löst ein hygienisches Unbehagen aus, das die Menschen zweiter Art daran hindert, es zum Naseputzen zu verwenden.



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