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Die Sammlung

(2007)


Der erste hat eine Briefmarkensammlung, der zweite viele CDs und der dritte sammelt Spielzeugautos. Aber warum sammeln die Leute?

Sammeln ist Haben-Wollen, ein nicht endenwollendes und nicht endendürfendes Haben-Wollen. Ein Haben-Wollen, nicht weil ein Gebrauchsbedarf besteht, sondern um des Habens willen. Natürlich, Sammeln ist ein Luxus-Hobby, das man sich nur leisten kann, wenn man mehr Geld hat, als man eigentlich braucht. Nur die eigentliche Funktion des Sammelns ist, über seine Sammlung ein Stück Individualität zu erlangen.

Alle Menschen streben nach Individualität, alle möchten unverwechselbar und einzigartig und anders als alle anderen sein: Sie möchten eine Person sein. Mittlerweile besteht ein Großteil unseres täglichen Handelns jedoch aus Konsumieren, in welcher Form auch immer, und nur die wenigsten können im Beruf oder in der Freizeit noch in irgendeiner Form produktiv tätig sein. Konsumieren ist unser normaler Umgang mit der Welt geworden und im Konsumieren sind wir nun mal alle gleich. Doch irgendwann bemerken wir, daß die eigene CD-Sammlung anders ist als die des Nachbarn. Daß wir einige seltene Briefmarken haben, die der andere nicht hat usf. Und da ist etwas Wunderbares passiert: Wir unterscheiden uns von dem anderen durch unsere individuell zusammengestellte Sammlung. Durch eine Handlung, die normalerweise dem Menschsein nicht zuträglich ist, dem bloßen Konsumieren, haben wir indirekt wieder ein Stück Menschsein, nämlich Individualität, erlangt. Sammeln befriedigt - mehr schlecht als recht - das Bedürfnis nach Individualität, nach Menschsein.



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