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Schenken

(2007)


Man kennt das Gerede um Weihnachten herum von manchen Leuten: "Nee, wir schenken uns schon lange nichts mehr, wir finden, das ist doch nur unnötiger Streß für alle und am Ende kriegt man doch nur Sachen, die man nicht gebrauchen kann oder gar nicht haben will!" Die gleichen Leute sind auch schnell dabei, zu anderen Anlässen (z. B. Hochzeiten) anstatt normalen Geschenken Geld zu schenken und sehen das als optimales Verhalten an, bei dem allen Beteiligten am meisten gedient ist. Denn der Schenker hat kein Risiko, daß er etwas Unnützes schenkt und das Geld, das er ausgeben mußte, zum Fenster herausgeschmissen hat und der Beschenkte kann sich von dem Geld selber das ideale Geschenk kaufen.

Menschen mit dieser Einstellung verkennen das Wesen des Schenkens, denn sie übersehen, daß ein Geschenk immer einen größeren Wert hat als der Geldbetrag, den es gekostet hat. Ein Geschenk ist etwas anderes und will etwas anderes sein als sein monetärer Wert. Man entfernt ja auch darum von Geschenken das Preisschild, weil ein Geschenk, das zeigt, was es gekostet hat, genau dadurch an Wert verliert - an Geschenk-Wert verliert.

Wer das gegenseitige Schenken zu Weihnachten mit dem Argument für sich abschafft, daß es keinen Sinn mache, hat den Sinn des Schenkens (zu Weihnachten) nicht begriffen. Denn er glaubt, die Geschenke wären der Sinn des Schenkens, das Dinge-Bekommen, die man haben wollte. Da ist es natürlich am besten, man schenkt Geld, da kann man sich dann genau das kaufen, was man haben wollte und der Schenkende muß sich auch keine Gedanken darüber machen, was der andere denn haben will. Und wenn sich dann alle gegenseitig Geld schenken, ist es so, als hätte niemand niemandem etwas geschenkt und nur vernünftig, das gegenseitige Schenken einfach sein zu lassen.

Aber in Wirklichkeit ist der Sinn des Schenkens allein das Schenken selber. Es geht nicht darum, was der zu Beschenkende haben will, es geht noch nicht einmal darum, was der Schenker schenken will. Es geht nur darum, daß der Schenker schenken will. Und wer sich über unnütze Geschenke ärgert, will nicht beschenkt werden, sondern nur Dinge haben.



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