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Menschliche Schönheit

(2007)


Daß Schönheit im Auge des Betrachters liegt, ist eine platte Weisheit, die aber nicht die ganze Wahrheit beschreibt.

Wenn es überhaupt soetwas wie eine objektive Beurteilungsfähigkeit der Schönheit von anderen Menschen gibt, dann kann sie nur dann vorhanden sein, wenn man den anderen Menschen (noch) nicht kennt, ihn also nur als Menschenbild (siehe Häßlichkeit-Text) wahrnehmen kann. Denn soblad man jemanden kennenlernt bzw. kennen lernt, läßt man den Eindruck, den man von ihm hat, automatisch und unbewußt in die Beurteilung seines Äußeren miteinfließen. Wenn man jemanden dann sympatisch findet oder (immer mehr) mag, dann erscheint er einem auch hübscher als man ihn fände, kennte man ihn nicht. Genauso umgekehrt, wenn man jemanden nicht mag oder unsympatisch findet, dann erscheint er einem auch häßlicher. So kann es kommen, daß Menschen schöner oder häßlicher werden, je mehr man mit ihnen zu tun hat, je mehr man sie kennt und je mehr man von dem Nicht-Äußeren von ihnen erfährt. Schönheit liegt also nicht nur im Auge des Betrachters in dem Sinne, daß sie subjektiv ist, sondern auch in dem Sinne, daß sie von dem nicht-optischen Bild, das sich der Betrachter von dem Menschen macht, abhängt. Schönheit ist somit nicht nur Geschmackssache, sondern auch konstruiert.



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