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Der schweigende Gott

(2014)


Der schweigende Gott wird zu einem immer größeren Problem, je mehr wahrnehmbare Dinge (wissenschaftlich-rational) erklärt und so nicht mehr als Gottesäußerungen interpretiert werden können. Wenn schließlich selbst innere Wahrnehmungen als psychologische Erscheinungen mit Ursache im Wahrnehmungsapparat (Gehirn) oder Interpretationsapparat (Psyche) selbst erklärt werden, verflüchtigt sich alle Gotteswahrnehmung und damit auch alle Gottesäußerung.

Bestand Glauben zuvor in der rechten Interpretation des Wahrgenommenen (ich glaube, daß etwas ein Zeichen, eine Botschaft von Gott oder eine Wirkung seines Handelns ist), so bleibt nun nichts übrig als der Glaube an abstrakte Konzepte, an Glaubenslehren und an Dinge, die per definitionem der Wahrnehmung entzogen sind, wie etwa eine jenseitige Welt. Glauben beschäftigt sich somit nur noch mit Dingen, an deren Existenz zuerst einmal geglaubt werden muß – Glauben hat sich nur noch selbst zum Gegenstand.

Je wissender der Mensch, desto schweigsamer Gott. Gott schweigt und der Mensch soll an ihn glauben und kann dazu nur noch an den Glauben glauben.



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