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Themen-Sprunghaftigkeit

(2014)


Da unterhält man sich mit jemandem und bemerkt, daß so viele Gesprächs-Schweigepausen entstehen und denkt darüber nach, warum einem nichts mehr einfällt, spontan etwas zu sagen einfällt. Und dann geht einem auf, daß es an der Themen-Sprunghaftigkeit des Gegenübers lag: Hat man gerade etwas erzählt und war noch lange nicht fertig mit dem Thema und hatte noch einiges zu sagen und zu erzählen, nahm er/sie etwas im Erzählten als Stichwort für etwas nicht Dazugehöriges und, zack, war das Thema beendet und ein neues aufgemacht. Das passierte mehrmals, und so waren alle Themen, alles, was man erzählen wollte und zu sagen hatte, schneller abgehandelt als gedacht. Und es fiel einem nicht nur darum nichts mehr ein, weil man jetzt nichts neues mehr zu erzählen hatte, sondern auch, weil man durch diese Kommunikationsweise ein Gefühl bekam, als wären die eigenen Themen dünn, substanzlos, inhaltsarm usw. und so verging einem die Lust am Weiterreden.

Der/die andere tat das in keiner bösen Absicht und wohl auch nicht aus Egozentrik, Geltungsdrang o. ä., sondern einfach, weil es nicht nur der gewohnten Unterhaltensart, sondern auch der gewohnten Auseinandersetzungstiefe mit einer Sache entspricht. Denn wenn man selbst nicht eine intensivere und tiefere Auseinandersetzung mit Themen praktiziert und gewohnt ist, dann denkt man auch nicht, daß es bei anderen so sein könnte. Was dem anderen dann als Sprunghaftigkeit erscheint, ist für sie/ihn normaler Themenwechsel nachdem das Thema als "durch" betrachtet und nicht erwartet wird, daß da noch mehr kommen könnte.



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