Latent.de       Start | Bilder | Musik | Worte | Lyrik | Kunst | Wissenschaft | Tand | Kommentar




Unmusikalische Musikkonsumenten

(2009)


Unmusikalische Musikkonsumenten sind tragische Figuren und eine Plage für ihre Umwelt. Sie hören Musik, weil sie dadurch – wie bei vielen anderen Konsumweisen auch – sich selbst zu definieren versuchen. Ich bin, was ich konsumiere; ich bin, was für eine Musik ich höre.

Nur leider sind sie oft gar nicht in der Lage, Musik wirklich zu hören und sie in ihrer – hoffentlich vorhandenen – Vielschichtigkeit überhaupt wahrnehmen zu können. Nicht selten sind sie noch nicht einmal in der Lage, Grundelemente wie Melodie, Rhythmus und Harmonik zu erfassen. Trotzdem erkennen sie unbewußt ihre Unfähigkeit und versuchen, sie durch große Lautstärke und/oder durch permanentes Musikhören zu kompensieren. Die Lautstärke zu erhöhen ist dann ein genauso verzweifelter und sinnloser Versuch, die Wahrnehmung der Musik irgendwie zu intensivieren, wie es die Dauerberieselung mit Musik ist. In beiden Fällen tritt jedoch niemals eine Intensivierung des Musikhörens ein, denn so wie sich für einen Farbenblinden auch nichts verändert, wenn er ein Bild in grelleren Farben sieht, so verändert sich für den des Musikörens Unfähigen auch nichts. Stattdessen zieht er, sofern er nicht vollkommen abgeschieden seine Musik konsumiert, alle anderen und besonders die musikalischen Menschen in Mitleidenschaft, die Musik nicht nur nicht laut und ständig hören, sondern sie auch gar nicht nicht hören können, so wie die Unmusikalischen sie nicht hören, trotzdem sie sie konsumieren.



[zurück]